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14. Juli 2009

Sprechen Sie Polnisch? - Fehlanzeige !

Brandenburg als Bundesland mit einer 250 km langen Grenze zur Republik Polen ist in besonderer Weise gefordert, wenn es um den Fremdsprachenunterricht geht. Mit Blick auf den Polnisch-Unterricht in Brandenburgs Schulen am Ende der vierten Wahlperiode erklärt die europapolitische Sprecherin der Fraktion Gerlinde Stobrawa:

Von: Gerlinde Stobrawa

 

Zu den unerledigten „Schularbeiten“, die die Versetzung der Landesregierung zum Ende des Schuljahres extrem gefährden, gehört die Nichterfüllung der Beschlüsse des Landtages zum Polnisch-Unterricht: „Gemeinsam mit den polnischen Partnern soll der Polnisch-Unterricht stabilisiert und ausgeweitet werden“, hatte nämlich der Landtag am 22. Januar 2009 gefordert. Nicht zum ersten Mal!

  • Die Verpflichtung zur Erteilung von Polnisch-Unterricht an allen Europaschulen wird mit dem neuen Schuljahr abgeschafft - schon heute gibt es Polnisch nur an 8 der 19 Europaschulen.
  • Generell ist die Zahl der Schulen, an denen Polnisch unterrichtet wird, kleiner geworden.
  • Die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die in Brandenburg Polnisch-Unterricht lernen, ist im Vergleich zu den in der Woiwodschaft Lubuskie Deutsch Lernenden (2007/2008: 80.600), skandalös niedrig - und sie hat sich in den vergangenen Jahren noch verringert.
  • Trotz Ankündigung des Bildungsministers gibt es immer noch kein Konzept zur Sensibilisierung von Eltern und Schülern für Polnisch als Nachbarsprache.
  • Offensichtlich werden immer noch keine Lehrer aus den Nachbarwoiwodschaften für den Polnisch-Unterricht in Brandenburg eingesetzt.


DIE LINKE fordert von der Landesregierung seit langem eine Kurskorrektur. Brandenburg braucht eine Strategie zum Ausbau der Mehrsprachigkeit, wie sie von Europarat und EU angeregt wurde. Dadurch könnten die Brandenburger nur gewinnen: Andere Kulturen wären als Bereicherung für das eigene Leben erfahrbar, die Chancen auf dem Arbeitsmarkt im In- und Ausland würden wachsen, die Fähigkeit entwickelt werden, den politischen Dialog in Europa durch mehrsprachige Kommunikation aktiv mitgestalten zu können. Die Vermittlung der Sprache unserer Nachbarn in Polen muss dabei - neben den hier gesprochenen Minderheiten- (Niedersorbisch/Wendisch sowie Romanes) und Regionalsprachen(Niederdeutsch) und westeuropäischen Sprachen - eine zentrale Rolle einnehmen.
Das Land hat dafür die Bedingungen schaffen. Die Nachfrage nach der Sprache unserer unmittelbaren Nachbarn muss durch Land wie Kommunen geweckt und allseitig gefördert werden, so

  • durch eine Sensibilierungskampagne (Prestigekampagne), in der der Wert des Erlernens der Nachbarsprache für die Brandenburger, der Zugewinn an interkultureller Kompetenz wie auch die Chancen, die sich für Menschen jeden Alters durch den Sprachenerwerb auf dem Arbeitsmarkt ergeben, deutlich gemacht werden,
  • durch das Vorhalten von ausreichenden Angeboten für Polnisch-Unterricht für all diejenigen, die diese Sprache erlernen wollen,
  • durch angemessene Bedingungen, unter denen die Sprache erworben werden kann: die Wohnortnähe der Sprachvermittlung, die Erweiterung von Angeboten vor allem in der westlichen Landeshälfte sowie die Angemessenheit von Gebühren bzw. der völlige Verzicht darauf im Rahmen von Aus- und Fortbildungen,
  • durch eine entsprechende Qualifizierung von Lehrerinnen und Lehrer, über die sie in die Lage versetzt werden, die Sprache mittels moderner Methoden im Kontext der deutsch-polnischen Geschichte und Gegenwart zu vermitteln.

Der ausschließlich nachfrageorientierte Ansatz des Polnisch-Unterrichts in Brandenburg muss endlich fallen. Europäische Union und Europarat fordern auch von Brandenburg die Umsetzung des Grundsatzes „Muttersprache plus 2 Fremdsprachen“. In den Grenzregionen soll dabei der Sprache des Nachbarn besondere Bedeutung beigemessen werden.